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Heidelberger Katechismus - 1. Teil

Der erste Teil
VON DES MENSCHEN ELEND


Frage 3: Woher erkennst du dein Elend?

Aus dem Gesetz Gottes.


Frage 4: Was fordert denn das göttliche Gesetz von uns?

Dies lehrt uns Christus in einer Summa Matthäus im 22. Kapitel:
Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt umd allen Kräften. Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben als dich selbst.

In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten.


Frage 5: Kannst du dies alles vollkömmlich halten?

Nein; denn ich bin von Natur geneigt, Gott und meinen Nächsten zu hassen.


Frage 6: Hat denn Gott den Menschen also böse und verkehrt erschaffen?

Nein; sondern Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erschaffen, das ist, in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit, auf daß er Gott, seinen Schöpfer, recht erkennte und von Herzen liebte und in ewiger Seligkeit mit ihm lebte, ihn zu loben und zu preisen.


Frage 7: Woher kommt denn solche verderbte Art des Menschen?

Aus dem Fall und Ungehorsam umserer ersten Eltern, Adam und Eva, im Paradies, da unsere Natur also vergiftet worden, daß wir alle in Sünden empfangen und geboren werden.


Frage 8: Sind wir aber dermaßen verderbt, daß wir ganz und gar untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen?

Ja; es sei denn, daß wir durch den Geist Gottes wiedergeboren werden.


Frage 9: Tut denn Gott dem Menschen nicht unrecht, daß er in seinem Gesetz von ihm fordert, was er nicht tun kann?

Nein; denn Gott hat den Menschen also erschaffen, daß er es konnte tun; der Mensch aber hat sich und alle seine Nachkommen, aus Anstiftung des Teufels, durch mutwilligen Ungehorsam dieser Gaben beraubt.


Frage 10: Will Gott solehen Ungehorsam und Abfall ungestraft lassen hingehen?

Mitnichten; sondern er zürnet schrecklich, beides über angeborene und wirkliche Sünden, und will sie aus gerechtem Urteil zeitlich und ewig strafen, wie er gesprochen hat:
Verducht sei jedermann, der nicht bleibet in alle dem, das geschrieben stehet in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue.


Frage 11: Ist denn Gott nicht auch barmherzig?

Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht. Deshalb erfordert seine Gerechtigkeit, daß die Sünde, welche wider die allerhöchste Majestät Gottes begangen ist, auch mit der höchsten, das ist der ewigen Strafe an Leib und Seele gestraft werde.