Kurzmitteilungen aus Confessio 2-2006

verschiedene aktuelle Meldungen

 

Scientology

Neue Tarnorganisation: „Jugend für Menschenrechte“

Unter dem Namen „Jugend für Menschenrechte“ bemüht sich eine neue Scientology-Tarnorganisation, mit jugendlichen Interessenten in Kontakt zu kommen und Verbindungen zu Schulen aufzubauen. Auf der Website www.jugend-fuer-menschenrechte.de, die sich mit einer eigenen Rubrik auch speziell an Lehrer und Erzieher wendet, wird mit keinem Wort direkt auf die Verbindung zu Scientology hingewiesen. Als Kontaktanschrift im Impressum erscheint allerdings die Scientology-Pressesprecherin Sabine Weber. Auch die Link-Rubrik verweist auf andere scientologische Unternehmen wie NARCONON oder CRIMINON. Häufige Nennungen der UNO sollen eine gewisse Nähe suggerieren. In der zum Download angebotenen Broschüre finden sich neben berühmten Persönlichkeiten wie Kofi Annan, Mahatma Ghandi und Martin-Luther King auch Zitate vom Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.       

    HL

Sächsische Landesbank mit Scientology-Kontakten?

Vor dem Untersuchungsausschuss des Dresdner Landtages, der die Verluste des sächsischen Landsbank (SachsenLB) untersucht, sind Vorwürfe der Verflechtung mit Scientology erhoben worden. So habe sich die SachsenLB mit einem dreistelligen Millionenbetrag an einem Filmfonds für eine Hollywood-Produktion bekannter Scientologen beteiligt.
Bei nüchterner Betrachtung haben diese Vorwürfe aber wenig Aussagewert. Die Beteiligung an einem Filmfonds ist für ein Geldinstitut eine normale Anlageform. Ein Einfluss auf das Management der Bank ist allein aus der Beteiligung von (in Hollywood nicht selten anzutreffenden) scientologischen Schauspielern nicht zu begründen. Da Scientology-Filme wie z.B. die Verfilmung des Hubbard-Romans „Battlefield Earth“ in der Vergangenheit Kassenflops waren, könnte eine solche Anlageentscheidung allenfalls als Management-Fehler angesehen werden. Die unqualifizierten Verdächtigungen nützen aber niemandem.

HL / Sächsische Zeitung 4. 4. 2006

Esoterik

Wahrsage-TV auch in Sachsen gestartet

Der Boom von esoterischen Lebensberatungs-Shows auf Teleshopping-Niveau hält ungebrochen an. Nachdem das Unternehmen Questico mit seinen Telefondienstleistungen bereits solche Millionenbeträge verdient hat, dass mit Astro-TV ein eigenes Fernsehprogramm starten konnte, wollen die Konkurrenten nicht nachstehen. Mittwochs und samstags im Dresden-Fernsehen, sowie 4x/Woche im Leipzig-Fernsehen kann man fortan zusehen, wie bei Luna-TV so genannte Experten für Wahrsagen, Hellsehen, Astrologie und Tarot-Kartenlegen den Alltagsproblemen der Anrufer mit blumig-allgemeinen Lebenshilfe-Tipps abhelfen wollen. Produzent der Sendung, die auch im lokalen Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird, ist die Hamburger Film- und Fernsehproduktionsfirma Fernsehvergnügen KG. Zusammengearbeitet wird hier mit dem Call-Center der Firma „Expert-Call (www.expert-call.de).
Offenbar lässt sich mit der Not und den Alltagssorgen der Menschen in einer reichen aber vereinsamten Gesellschaft viel Geld verdienen.

HL

Zeugen Jehovas

 

Körperschaftsprozess beendet

Nach nunmehr 15 jährigem Rechtsstreit ist die Auseinandersetzung zwischen dem Land Berlin und der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas um die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zu Ende gegangen. Am 10. 2. 2006 wies das Bundesverwaltungsgericht Leipzig die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ab. Damit wurde das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Berlin rechtskräftig und das Land Berlin muss den Zeugen Jehovas den Körperschaftsstatus verleihen.
Kirchensteuern wollen die Zeugen Jehovas nicht erheben, wohl aber versprechen sie sich Erleichterungen bei der Seelsorge in Gefängnissen und in Krankenhäusern. Ob nun weitere Anträge in anderen Bundesländern folgen, ist noch nicht entschieden.
Die Bearbeitung des Antrages der Zeugen Jehovas aus dem Jahr 1991 werde jedoch einige Monate dauern, sagte die Senatsbeauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Maria Bering, gegenüber der Lokalpresse.

HL

 

19jähriger nach verweigerter Bluttransfusion gestorben

In einem Krankenhaus in Salzburg ist ein 19jähriger während einer Lungenoperation verstorben. Die Ärzte konnten die Operation an der Lunge nicht ohne fremdes Blut zu Ende führen. Eine Bluttransfusion hatte der zu den Zeugen Jehovas gehörende Patient aber verweigert. Nach der Überzeugung der Ärzte hätte die Gabe von Blut sein Leben retten können. Der Fall hat die Debatte um die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen neu angefacht. Ärzte befinden sich in einem schwierigen Dilemma: Einerseits sind sie verpflichtet, Leben zu retten, andererseits sollen sie ebenso den Willen der Patienten respektieren.
Tragisch an solchen Todesfällen ist, dass sie als vermeintliche Opfer für Gott gebracht werden. Doch Gott fordert diese Opfer nicht, sondern lediglich die Organisation der Zeugen Jehovas.

HL / Salzburger Fenster 4. 4. 2006

Verschwörungstheorien

Schlappe für Dr. Rath

Der von der Presse als „Vitamin-Guru“ bezeichnete deutsche Arzt Dr. Matthias Rath bekommt nun auch in Südafrika Gegenwind. Nachdem er in Deutschland in großen Kampagnen für seine nicht zugelassenen Vitaminprodukte geworben und mit dem Fall Dominik in die Schlagzeilen geraten war, hatte er in Südafrika einen neuen Markt entdeckt. Dort preist er seine hochdosierten Vitaminprodukte als Heilmittel gegen AIDS an. Die südafrikanische Aids-Aktivisten-Organisation „Treatment Action Campaign“ (TAC) bemüht sich um Aufklärung und wurde prompt von Dr. Rath verleumdet, lediglich als Fassade und Propagandamaschine für Pharmahersteller zu dienen. Dies darf Dr. Rath nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshof in Kapstadt nun nicht mehr behaupten. TAC hofft, dass nun bald das Gesundheitsministerium Dr. Raths unlautere Aktivitäten stoppt.

HL / taz vom 4. 3. 2006

Absurde Theorien zur Vogelgrippe

Wo Wahnsinn herrscht, bleiben die Neurotiker nicht aus. In Esoterikerkreisen wird über verborgene Zusammenhänge hinter der Vogelgrippe spekuliert. Nostradamus-Experten deuten das Virus H5N1 als den großen Schreckenskönig. Andere vermuten, US-Präsident Bush oder sein Verteidigungsminister Rumsfeld könnten an der Vogelgrippe durch Aktienspekulationen bzw. Rüstungsgeschäfte verdienen.

HL / Welt am Sonntag, 5. 3. 2006

Buddhismus

Dalai Lama soll Ehrendoktor in Marburg werden

Für seine wissenschaftlichen Verdienste um die Erhaltung der tibetischen Kultur will der Fachbereich Fremdsprachliche Philologien der Philipps-Universität Marburg den Dalai Lama mit der Ehrendoktorwürde auszeichnen. Die Auszeichnung soll im Sommersemester in Marburg im Beisein des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch verliehen werden, den eine Freundschaft mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter und Nobelpreisträger verbindet.

Oberhessische Presse 13. 2. 2006

Islam

Schwimmunterricht auch für Muslime Pflicht

Der Anblick von Mitschülerinnen im Badeanzug sei einem 11jährigen muslimischen Jungen zumutbar, entschieden die Richter des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts (AZ 18 K 74/05). Im Sommer sei er in Deutschland jederzeit an öffentlichen Plätzen, Wiesen und auf Werbeplakaten dem Anblick „locker bekleideter Leute ausgesetzt“, so der Richter in der mündlichen Verhandlung. Darum muss er auch nicht vom Schwimmunterricht befreit werden, wie dies die Eltern gefordert hatten.

Ähnlich wie ihre Kollegen in Düsseldorf hatten im vergangenen Jahr Richter des Hamburger Verwaltungsgerichts entschieden. Sie lehnten das Ansinnen einer türkischen Mutter ab, ihre beiden 14 und 15 Jahre alten Töchter vom Sexualkundeunterricht freizustellen.

HL / Spiegel 3. 2. 2006

Islamische Religionsgemeinschaft klagt auf Körperschaftsstatus

Die Islamische Religionsgemeinschaft hat beim Berliner Verwaltungsgericht eine Klage gegen das Land Berlin auf Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts eingereicht (AZ VG 27 A 55.06). Deren Präsident Abdurrahim Vural verwies darauf, dass der Senat im vergangenen September Vertragsverhandlungen abgelehnt habe. Die Vereinigung wurde 1990 in Ostberlin gegründet und erlangte von der scheidenden DDR-Regierung noch die Anerkennung als Religionsgemeinschaft. Daraus leitete die Islamische Religionsgemeinschaft Berlin den Anspruch ab, auch in der Bundesrepublik als Körperschaft des öffentlichen Rechts behandelt zu werden. Zur Islamischen Religionsgemeinschaft gehört die Islamische Föderation Berlin, die u.a. den islamischen Religionsunterricht in 30 Berliner Grundschulen verantwortet.

HL / Der Tagesspiegel 22. 2. 2006

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