Bruno Gröning Freundeskreis - Kurzdarstellung

Leben - Lehre - Beurteilung

Bruno Gröning ist ein Vertreter der Therapierichtung, die als „geistiges Heilen“ oder „Geistheilen“ bezeichnet wird. Dies beinhaltet:

  • Heilung soll durch Anwendung rein geistiger Zusammenhänge bewirkt werden.
  • Es erfolgen keine physischen Eingriffe (außer bestimmten Sitz– bzw. Meditationshaltungen.
  • Es werden keine Medikamente als Bestandteil der Therapie verwendet.

An deren Stelle tritt die implizite Forderung nach Akzeptanz des mit dem Therapiekonzept verbundenen Weltbildes.

Bruno Grönings Leben

Bruno Gröning wird von seinen Anhängern als einfacher Mann mit besonderen Fähigkeiten beschrieben. Er wurde am 31. Mai 1906 in Danzig als viertes von 7 Kindern geboren. Die Volksschule besuchte er infolge des 1. Weltkrieges nur bis zur 5. Klasse. Eine Zimmermannslehre schloß er nicht ab. Später arbeitete er in verschiedenen Berufen als Fabrik– und Hafenarbeiter. Im 2. Weltkrieg geriet er in Gefangenschaft.

Seit 1946 trat er als Wunderheiler auf. Zunächst soll er einen an Muskelschwund erkrankten Jungen in Herford geheilt haben (allerdings starb der Junge später im Alter von 16 Jahren an dieser Krankheit), später folgten spektakuläre Massenheilungen auf dem Traberhof bei Rosenheim. Dies führte zu großem öffentlichen Aufsehen und Medieninteresse. Auch Kritik blieb nicht aus. Verschiedene Prozesse wurden gegen ihn angestrengt, z. B. wegen Körperverletzung oder wegen Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz.

Bruno Gröning starb im Januar 1959 in Paris an Magenkrebs.

Der Bruno–Gröning–Freundeskreis

Bewahrt und bekannt gemacht wurde das Erbe von Bruno Gröning erst 20 Jahre später durch Grete Häusler, die angibt, selbst mehrfach durch Bruno Gröning geheilt worden zu sein. 1979 gründete sie den „Bruno–Gröning–Freundeskreis“. Zugleich ist sie Vorsitzende in dem Trägerverein „Kreis für geistige Lebenshilfe e.V.“ sowie Geschäftsführerin der „Grete–Häusler–GmbH“, die durch Buchvertrieb und eine Filmproduktion („Der Wunderapostel“) zur Verbreitung der Lehren Bruno Grönings beiträgt.

Der Bruno–Gröning–Freundeskreis pflegt Grönings Andenken und vermittelt dessen Methoden durch

  • regelmäßige Gemeinschaftstreffen mit Vorträgen und Erfahrungsaustausch
  • überregionale Zusammenkünfte und Tagungen
  • Publikation von Büchern, Ton– und Videokassetten.

Ende 1996 zählten weltweit 444 Gemeinschaften mit 24 555 Freunden zum Freundeskreis, davon in Deutschland 193 Gemeinschaften mit 11 000 Freunden, 16 Jugendgemeinschaften und 29 Kindergruppen.

Charakter seines Wirkens

Bruno Grönings Wirken ähnelt weniger dem eines Therapeuten, sondern dem eines wunderkräftigen Propheten:

  • seine Auffassung vom Heil ist theologisch: ihr geht es nicht um gesunde oder kranke Organe, sondern um das Verhältnis des Menschen zu Gott 
  • seine Lehre habe er nicht studiert oder entwickelt, sondern sie sei ihm geistig gegeben
  • die mit seinem Auftreten verbundenen Heilungen tragen Wundercharakter und werden mit biblischen Szenen verglichen
  • Seine Person ist wesentlich und Heilsvermittelnd: Leid und Krankheit soll an Bruno Gröning abgegeben werden

Grundzüge der Lehre Bruno Grönings

Die Lehre Bruno Grönings verbindet zwei Elemente miteinander:

  1. eine tiefe Frömmigkeit
  2. die Vorstellung von einem universalen göttlichen Heilstrom

Der göttliche Heilstrom umgibt den Menschen und muss von ihm nur aufgenommen werden. Wenn dieser Heilstrom durch den Körper fließt, stößt er auf die durch Krankheit belasteten Organe und heilt sie.

Häufig verwendete Bruno Gröning Vergleiche aus der Elektrotechnik:

Die Batterie: Der Mensch gibt wie eine Batterie im täglichen Leben ständig Energie ab. Wenn er nicht durch den Heilstrom wieder aufgeladen wird, kann er krank werden.

Kraftwerk und Glühbirne: Gott ist das Elektrizitätswerk, der Mensch die Glühbirne. Die Glühbirne braucht zum Leuchten die Verbindung mit dem Strom. Bruno Gröning versteht sich als Transformator, der die hohen göttlichen Energien so umwandelt, dass jeder Mensch so viel bekommt, wie er aufnehmen kann.

    Ursache aller Krankheiten ist nach Bruno Gröning die Entfernung von Gott. Heilung durch Bruno Gröning soll eine neue Verbindung mit Gott bringen. Dazu gehört auch das Angebot Grönings, anderen Menschen ihre Krankheiten abzunehmen.

    Übungen

    Gesundung erfordert die große Umkehr. Wichtigstes Element dabei ist positives Denken: nicht mehr an die Krankheit denken, sie loszulassen heißt die Aufgabe.

    Dazu kommt die Berührung mit dem göttlichen Heilstrom in der richtigen Körperhaltung:

    • Arme und Beine nicht überkreuzt
    • Handflächen nach oben geöffnet auf den Oberschenkeln
    • alle störenden Gedanken abschalten
    • in gläubiger Geisteshaltung sich dem Einströmen der Heilkraft öffnen

    Diese wesentliche meditative Übung im Bruno–Gröning–Freundeskreis wird „Einstellen“ genannt.

    Stellungnahme

    Als Therapierichtung gilt für Bruno Grönings Geistheilung, was für alle alternativen Therapien gilt:

    1. sie können im Einzelfall manchen Menschen helfen
    2. es müssen aber ihre Grenzen bekannt sein und eingehalten werden

    Heilungserfahrungen im Bruno–Gröning–Freundeskreis können nach äußerer Einsicht auf mehreren Faktoren beruhen:

    • Die Verachtung des Redens von der Krankheit und die Dämonisierung der Krankheit vermeidet den sonst häufigen sekundären Krankheitsgewinn. Heilung kann in einzelnen Fällen als psychosomatischer Effekt aus der positiven Einstellung zur Gesundheit entstehen. 
    • Die „Einstellung“ stellt eine Art des autogenen Trainings dar, dessen Wirksamkeit erwiesen ist.
    • Schließlich gibt es immer – auch anderswo – Spontanheilungen, die hier lediglich dem Wirken der Heilkraft zugerechnet werden.

    Der Bruno–Gröning–Freundeskreis steht jedoch in der Gefahr, die Grenzen der Therapie zu übersehen bzw. zu verschleiern. Dies bedeutet eine echte Gefahr, wenn dadurch andere, wirksame Behandlungen unterbleiben.

    Die Überschätzung kommt auch in dem geistlichen Anspruch zum Ausdruck, der die Grenzen üblicher Therapie weit überschreitet. Nicht nur auf menschliche Krankheiten, sondern auch auf materielle Dinge soll sich Bruno Grönings Wirken erstrecken.

    Markant ist die Vereinfachung der komplexen Wirklichkeit auf leicht fassbare Zusammenhänge. Aus theologischer Sicht ist kritisch anzumerken, dass Bruno Gröning Christus weitgehend ersetzt hat. Heil wird im Freundeskreis von Bruno, nicht von Christus erwartet.

    Dr. Harald Lamprecht

    ist Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Sachsen.

    Artikel-URL: https://www.confessio.de/artikel/1018