Theologische Aspekte der interreligiösen Begegnung

Erklärung der sächsischen Landessynode zum Miteinander der Religionen

Auf ihrer Herbstsitzung 2016 hat sich die 27. Landessynode der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens mit einem Text des Theologischen Ausschusses zur interreligiösen Begegnung befasst. Nachfolgend ist die von der Synode am 14. November 2016 angenommene Fassung dokumentiert (Drucksache Nr 99).

In der Begegnung mit Menschen anderer Religion bzw. mit Menschen, die keiner spezifischen Religionsgemeinschaft angehören, stellen sich Fragen für unseren christlichen Glauben, die wir zu bedenken und zu klären haben. Dabei sehen wir, dass wir in diesen Prozessen vielfach noch am Anfang stehen.

Wir ermutigen unsere Gemeinden, Dienste und Werke, diese Begegnungen mutig aufzunehmen und sich diesen Fragen zu stellen.

Das faire Gespräch halten wir für nötig für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Wir sind auch davon überzeugt, dass solches Nachdenken unserem eigenen Glauben dient.

Uns ist wichtig, dass wir uns solchen Fragen aus der eigenen Glaubensgewissheit heraus stellen.

Dankbar nehmen wir dabei das „Dresdner Wort der Religionen zum Tag der Deutschen Einheit 2016“1 auf und greifen auf einzelne seiner Formulierungen zurück.

Als Christinnen und Christen

  • erkennen wir Gottes Handeln in der Vielfalt seiner Schöpfung,
  • betrachten wir alle Menschen als Geschöpfe Gottes mit einer unverletzlichen Würde,
  • widersprechen wir jeglicher Inanspruchnahme von Religion zur Legitimierung von gesetzwidriger Gewalt,
  • sind wir dankbar für die in Deutschland vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit,
  • achten wir das Recht jedes Menschen, seine Glaubensüberzeugungen in diesem Rahmen zu leben, seine Religionszugehörigkeit zu wechseln oder eine bestimmte Religionszugehörigkeit für sich abzulehnen,
  • setzen wir uns gemeinsam mit Menschen anderen Glaubens sowie mit Menschen, die keiner spezifischen Glaubensweise anhängen, für ein friedliches Miteinander aller Menschen in unserer Gesellschaft (sowie für den Schutz und die Achtung gelebter Religiosität auch außerhalb unseres christlichen Kontextes) ein.

Als Christinnen und Christen

  • glauben wir an die Existenz eines einzigen Gottes, der mit allen Menschen Gemeinschaft sucht und zum Heil aller Menschen wirken will,
  • glauben wir diesen Gott als dreieinig, der sich in Jesus Christus durch den Heiligen Geist offenbart,
  • lesen wir die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments als das maßgebliche Zeugnis von der Offenbarung des dreieinigen Gottes,
  • bezeugen wir das Wirken Jesu Christi, insbesondere durch seinen Tod und seine Auferstehung, als den für alle Menschen offenstehenden Weg zur Versöhnung der Menschen mit Gott und untereinander,
  • stehen wir in der Nachfolge Jesu Christi und setzen uns für Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Frieden ein,
  • wissen wir zugleich um die Grenzen unserer Wahrnehmung des einen Gottes,
  • rechnen wir mit der Möglichkeit von Offenbarungen des einen Gottes auch außerhalb des Christentums.

Als Christinnen und Christen

  • begegnen wir religiösen Überzeugungen außerhalb des christlichen Glaubens mit Achtung und Gesprächsbereitschaft,
  • suchen wir konkrete Begegnungen mit Menschen anderer Religion und hören auf deren Glaubenszeugnis,
  • erfahren wir das Gespräch als Bereicherung, sehen aber zugleich, dass dieses Gespräch auch als Infragestellung der eigenen Gewissheit erlebt wird,
  • respektieren wir die religiösen Lebensäußerungen in anderen Religionsgemeinschaften, wie z. B. Speisegebote oder Feste,
  • bezeugen wir unseren Glauben an den dreieinigen Gott in Klarheit und im Vertrauen auf die solchem Glauben innewohnende Kraft,
  • laden wir zu einem Leben im Glauben an Jesus Christus ein,
  • sind wir uns bewusst, dass die Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen auch unsere eigenen Traditionen verändern wird,
  • verstehen wir die von einer respektvollen Streitkultur geprägte Bezeugung der eigenen Wahrheitsgewissheit nicht als Verweigerung des Gesprächs, sondern als Dienst an- und füreinander,
  • achten wir andere religiöse Überzeugungen gerade darin, dass wir Unterschiede in Lehre und Praxis nicht überspielen, sondern ernst nehmen.

Wir empfehlen den Gemeinden, Diensten und Werken das „Dresdner Wort der Religionen zum Tag der Deutschen Einheit 2016“ sowie das Dokument „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“2 zur Lektüre und Diskussion.


1 www.dresdner-wort.de bzw. Confessio 3/2016, 5

2 www.mission-respekt.de

Dr. Harald Lamprecht

ist Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Sachsen.

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Dieser Beitrag ist erschienen in Confessio 1/2017 ab Seite 14