Coronavirus mit Schild „Impfen tötet”

Zur Frage nach Impfungen im Zusammenhang mit Covid19

12 Thesen als Eckpunkte für kirchliche Positionsbestimmungen

In der letzten Zeit kommen an die Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens vermehrt Anfragen und Bitten um Stellungnahmen, die nach kirchlichen Positionen zu Impfungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie fragen. Dazu können die folgenden Ausführungen Anregungen für eigene Positionsbestimmungen geben.

1. Jesus hat nach dem Zeugnis des Neuen Testaments Menschen geheilt. Die Förderung der medizinischen Wissenschaft und der ärztlichen Kunst ist seit je her ein Anliegen, das aus dem christlichen Glauben erwächst. So wie Jesus sich heilsam den Menschen zugewendet hat, bemühen sich Christen, nach bestem Wissen und soviel in ihrem Vermögen liegt, Not und Krankheit zu lindern.

 

2. Bei diesen Bemühungen ist es geboten, das jeweils beste verfügbare Wissen und den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft zu berücksichtigen. Gott hat die Menschen mit Verstand begabt, damit sie ihn benutzen und nach Möglichkeit Irrtümer vermeiden.

 

3. In medizinischen Fragen hat die Kirche keine eigene Expertise, sondern verweist darauf, was von den medizinischen Fachleuten entsprechend wissenschaftlicher Standards erarbeitet wird und wozu sich ein Konsens unter den Medizinern als gegenwärtig bester Stand des medizinischen Wissens abbildet.

 

4. In Bezug auf das Impfen sind das die Empfehlungen, die von den ärztlichen Impfkommissionen erarbeitet werden. Dort ist zusammengestellt, welche konkreten Impfungen in welchen Lebensphasen und für welche Risikobereiche und welche Regionen derzeit empfohlen sind. Kein Mensch braucht alle Impfungen, die möglich sind. In den Empfehlungen der Impfkommission artikuliert sich daher ein ärztlicher Konsens darüber, was in welcher Situation sinnvoll scheint. Diese Empfehlungen ändern sich gelegentlich mit dem Stand der medizinischen Erkenntnis und der Rahmenbedingungen (neue Krankheiten u.a.m.).

 

5. Das Wirkprinzip des Impfens besteht darin, die Selbstheilungskräfte des Organismus (das Immunsystem) anzuregen. Dies geschieht, indem ihm abgeschwächte oder abgetötete Formen eines Krankheitserregers zur Verfügung gestellt werden, so dass daran körpereigene Strategien der Abwehr dieses Erregers entwickelt werden können. Wenn dann eine Konfrontation mit den echten Keimen erfolgt, ist der Körper nicht unvorbereitet, sondern kann die Krankheit in aller Regel wesentlich leichter und schneller und mit weniger Komplikationen überstehen, als dies ohne Impfung der Fall wäre.

 

6. Es ist offensichtlich, dass die Methodik des Impfens insgesamt zu den großen Erfolgsgeschichten der modernen Medizin gehört. Viele schwere Krankheiten oder Komplikationen mit bleibenden Schäden sind aus dem öffentlichen Bewusstsein in Westeuropa weitgehend verschwunden, seit es wirksame Impfungen dagegen gibt.

 

7. Vollkommen ist nur Gott. Kein Ding in dieser Welt ist absolut perfekt, kein Verfahren völlig unfehlbar. Das gilt auch für das Impfen. In seltenen Fällen kann es zu Überreaktionen oder anderen Komplikationen kommen. Nicht immer greift der Impfschutz so, wie erwartet. In der Beurteilung des Impfens müssen diese seltenen, aber möglichen Risiken mit den Risiken durch die jeweilige Erkrankung und deren Komplikationen ins Verhältnis gesetzt werden. Dieses ergibt bei den empfohlenen Impfungen eine eindeutige Bilanz zugunsten der Impfung.

 

8. Impfen hat eine solidarische Komponente: Es gibt Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, z.B. bei bestimmten Vorerkrankungen oder manche Impfungen während einer Schwangerschaft. Wenn aber die allermeisten Menschen in ihrer Umgebung geimpft sind, werden diese mit geschützt, weil die Krankheit sich nicht ausbreiten kann („Herdenimmunität“). Wo die Impflücken zu groß werden, steigt das Risiko für diese Personen erheblich an.

 

9. Die Entwicklung von Impfstoffen ist sehr aufwändig und teuer, denn der Prozess ist – zum Schutz der Menschen – sehr stark überwacht und reguliert. Nur wenige Firmen sind in dem Bereich noch aktiv und mit dem nötigen Risikokapital dabei, einen solchen Prozess über die benötigte Zeit – mitunter Jahrzehnte – bei ungewisser Rentabilität durchzustehen. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, muss er seine Wirksamkeit und Verträglichkeit in klinischen Studien bewiesen haben.

 

10. Im Internet werden diverse unzutreffende Behauptungen über das Impfen verbreitet. Oft dabei ist die Unterstellung, Pharmafirmen würden aus Geldgier unnötige oder gar schädliche Impfungen propagieren. Dazu würden diese in einem gigantischen Komplott Regierungen und Ärzte von sich abhängig machen, um ihre Impfstoffe vermarkten zu können. Im Gefolge solcher Unterstellungen werden mit übertriebenen Schilderungen angeblicher Gefahren durch Impfschäden Ängste erzeugt und der medizinische Nutzen geleugnet.

 

11. „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ heißt es im 8. Gebot. Die Verbreitung wahrheitswidriger Legenden, die Menschen dazu bringen, wirksame und schützende Behandlungen abzulehnen und sie damit dem Risiko schwerer Schädigungen aussetzen, widerspricht eindeutig dem biblischen Gebot und dem Willen Gottes. Derzeit gibt es gegen Covid19 noch keinen Impfstoff und folglich auch keine Impfempfehlung und erst recht keinen Impfzwang.

 

12. Grundsätzlich bleibt alles ärztliche Handeln in Gottes Wirken eingeschlossen. Zum Wissen des Glaubens gehört das Wissen um die Begrenztheit und Endlichkeit des Lebens. Christen wissen, dass für sie das Ende des Lebens einen neuen Anfang in der Gegenwart Gottes markiert. Das befreit davon, Unmögliches von Medizinern zu fordern und sie zu „Göttern in Weiß“ zu erheben, die sie nicht sind.

 

Hinweise für weitere Lektüre:

Dr. Harald Lamprecht

ist Beauftragter für Weltanschauungs- und Sektenfragen der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und Geschäftsführer des Evangelischen Bundes Sachsen.

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