Nachrichten aus der Ökumene 2012-3

Nachrichten aus der Ökumene erschienen in CONFESSIO, Heft 3 - 2012

Römisch-Katholische Kirche

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige leitet die katholische Ökumenekommission

Nach der Ernennung des bisherigen Vorsitzenden der Ökumenekommission, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, zum Präfekten der Glaubenskongregation in Rom wurde auf der jüngsten Vollversammlung der deutschen katholischen Bischofskonferenz am 27.09.2012 der Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige zu dessen Nachfolger gewählt.

Feige, der 1951 in Halle geboren wurde, studierte in Erfurt Theologie und wurde 1978 zum Priester geweiht. Nach seelsorgerlichen Aufgaben und seiner Promotion lehrte der Patristiker ab 1989 in Erfurt. 1999 wurde Feige Weihbischof in Magdeburg und am 16. April 2005 in sein Amt als Bischof von Magdeburg eingeführt. Bischof Feige ist ein ausgewiesener Fachmann für Ostkirchenkunde und Patrologie und engagierter Ökumeniker. In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Ökumenekommission und der Unterkommission für Mittel- und Osteuropa an. Er leitet die Arbeitsgruppe Kirchen des Ostens und den Aktionsausschuss des Osteuropa Hilfswerkes Renovabis. Ferner ist Bischof Feige Mitglied des Evangelisch-Katholischen Kontaktgesprächskreises auf Bundesebene und schon seit 1993 der Gemeinsamen Kommission der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland, jetzt Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Kirchen in Deutschland. Darüber hinaus wurde Feige 2006 vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen in die Gemeinsame Internationale Kommission für den Theologischen Dialog zwischen der Orthodoxen Kirche und der Römisch-Katholischen Kirche berufen.

Als katholischer Bischof im Lande Luthers ist Feige für die evangelischen Christen ein wichtiger Gesprächspartner im ökumenischen Bemühen und besonders auch im Hinblick auf das 2017 anstehende Reformationsjubiläum und wird einer der entscheidenden katholischen Partner sein. Dies gilt sowohl im gesamtdeutschen wie im regionalen Kontext – liegen doch wichtige Lutherstätten wie Eisleben und Wittenberg in seiner Diözese. In ersten Äußerungen nach seiner Wahl bekundete Feige seinen erklärten Willen eines gemeinsamen Reformationsgedenkens – an einer „Feier“ könne sich die römisch-katholische Kirche hingegen kaum beteiligen. Den jüngsten Vorstoß „Ökumene jetzt!“ von prominenten römisch-katholischen und evangelischen Christen bewertete Feige sehr zurückhaltend. Diese haben es sich „zu einfach gemacht“. Er musste aber einräumen: „Die theologische Wissenschaft ist sehr wichtig, aber ihre Erkenntnisse müssen auch bei den Menschen ankommen und sich durchsetzen.“

Martin Bräuer / Alexander Gemeinhardt, Konfessionskundliches Institut Bensheim

 


Alt-Katholische Kirche

Hände-Reichung herausgegeben

Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands hat gemeinsam mit dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland eine Broschüre mit dem Titel „Hände-Reichung. Evangelische und alt-katholische Gemeinden ökumenisch unterwegs“ herausgegeben. Darin wird die Geschichte des alt-katholisch – evangelischen Dialoges geschildert. Ferner enthält das Heft Selbstvorstellungen der beteligten Kirchen und Skizzen des alt-katholischen und evangelischen Verständnisses von Taufe, Trauung und Abendmahl/Eucharistie um zu zeigen, was ökumenisch bereits möglich ist und was zu beachten ist. Abgeschlossen wird die Darstellung mit Fallbeispielen gelebter Ökumene und Anregungen für die praktische Umsetzung ökumenischen Miteinanders.

HL / www.velkd.de, www.alt-katholisch.de

 


Orthodoxie

Ökumenischer Patriarch mahnt zur Einheit

Griechenland sorgt gegenwärtig nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in ökumenischer Hinsicht für Probleme. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel sah sich genötigt, die Bischöfe der autokephalen Orthodoxen Kirche von Griechenland eindringlich zu ermahnen, sich „um der Einheit der Orthodoxie willen“ zusammenzuschließen.

Hintergrund des Schreibens sind öffentliche Äußerungen von Metropolit Serfafeim von Piräus, die „inakzeptable Ausmaße“ angenommen hätten. Dieser hatte eine Verurteilung der ökumenischen Bewegung und des interreligiösen Dialoges vorgenommen, indem er die traditionelle Verwerfung der altkirchlichen Häretiker (Arius, Nestorius etc.) eigenmächtig auf lebende Personen erweiterte. So unterwarf der seinem Verdammungsurteil „den in Wahrheit nicht existenten und gefallenen erzhäretischen Papst und Patriachen von Alt-Rom Benedikt sowie all jene, die mit ihm in Kommunion stehen“, ferner „Martin Luther, Johannes Calvin, Huldrych Zwingli und Heinrich VIII., den unfrommen König, … und alle häretischen Ableger der Reformation“, weiter die, „die die unteilbare und lebensspendende Trinität ablehnen, die Rabbiner des Judentums und die Islamisten, dia nonymen Traktate der Wachturm-Gesellschaft, die Zeugen Jehovas, … die Monophysiten, Monotheleten und Monoenergisten“ und schließlich „alle, die die Pan-Häresie des interchristlichen und interreligiösen synkretistischen Ökumenismus predigen und lehren.“

Dieser Rundumschlag lässt nicht nur notwendige Unterscheidungen vermissen, sondern steht außerhalb bisheriger Entscheidungen der Weltorthodoxie. So rief Patriarch Bartholomaios die Bischöfe auf, „die ungerechtfertigten und gefährlichen Aussagen zu widerrufen und etwas dagegen zu unternehmen“. Auch eine Reihe von Theologieprofessoren zeigte sich entsetzt und verteidigten das orthodoxe Engagement im ökumenischen und im interreligiösen Dialog.

HL / Orthodoxie Aktuell 7-8/2012, 11

 

 

Freikirchen

Statistik Adventisten in Mitteldeutschland

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hat in Mitteldeutschland trotz leicht sinkender Mitgliederzahlen ein gesteigertes Spendenaufkommen. Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, gehörten Ende 2011 zur Berlin-Mitteldeutschen Vereinigung 7253 Mitglieder (ohne Kinder). Das sind 101 weniger als im Vorjahr. Auf 76 Taufen und 9 Eintritte kommen 125 Todesfälle und 76 Austritte bzw. Ausschlüsse. Dennoch stiegen die Einnahmen des Zehnten um fast 115 000 Euro auf den bisherigen Rekordwert von 6,44 Mill. Euro. Rein rechnerisch hat sich damit jedes Mitglied der Freikirche mit Spenden in Höhe von 888 Euro/Jahr an den Ausgaben beteiligt.

HL / miteinander 3/2012


Southern Baptists mit farbigem Präsidenten

Bei der Jahrestagung der „Southern Baptist Convention“ (SBC) in New Orleans wählten die knapp 8.000 Delegierten den afroamerikanischen Pastor Fred Luter zum neuen Kirchenpräsidenten. Das ist ein historisches Ereignis, denn damit wird zum ersten Mal in der Geschichte ein Farbiger Präsident dieses einflussreichen Verbandes. Die SBC wurde im Streit um die Sklaverei gegründet, wobei die Rassentrennung so etwas wie das „Gründungsfundament“ der südlichen Baptisten war, wie es die FAZ formulierte. Die SBC war die Kirche der weißen Sklavenhalter. Erst 1995 nahm die SBC eine Resolution an, in welcher sich die Kirche in aller Form für ihre Unterstützung der Sklaverei und des Rassismus entschuldigte und „alle Afroamerikaner“ um Vergebung bat. Seither ist die Zahl der Schwarzen in der SBC von etwa 337.000 auf heute gut eine Million gewachsen. Mit 16 Millionen Mitgliedern ist die SBC die größte protestantische Kirche in den Vereinigten Staaten.

HL / FAZ 20. 6. 2012

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